Besuchten die Hopfenstadt Wolnzach (v.l.): Grünen-Kreisvorsitzende Kerstin Schnapp (KV Pfaffenhofen), die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Gisela Sengl, und der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Neu-Wolnzacher Dieter Janecek

Hopfenanbau in Bayern unterstützen

Hopfen in Bayern ist eine Erfolgsgeschichte. Diesen Eindruck nahmen Dieter Janecek (Bundestagsabgeorndeter und seit kurzem selbst Wolnzacher) und ich von einer kleinen Hopfenreise in die Hallertau mit. Seit Jahren hat sich die Anbaufläche für Hopfen kaum verändert; der bayerische Hopfen wird in alle Welt exportiert.

Im Haus des Hopfens wurde auch schnell klar, warum das so ist. Hier agieren die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Hopfenring, der Hopfenpflanzerverband und die Hopfenverwertungsgenossenschaft alle unter einem Dach und können so über kurze Wege miteinander kooperieren. Neben diesem strukturellen Vorteil setzen die Hopfenanbauer seit Langem auf eine lückenlosen Qualitätskontrolle. Mit der Zertifizierung lässt sich jede einzelnen Hopfencharge, selbst bei Hopfenextrakt oder –pellets, bis in den Hopfengarten zurückverfolgen. Das macht Qualität und Vertrauen aus! Der Hopfenanbauverband zeigt damit, dass es möglich ist, landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Bayern über die Qualität zu vermarkten – ein Credo, dem sich viele aus anderen landwirtschaftlichen Bereichen leider noch verschließen.
Laut Hopfenanbauverband wird eine Ökologisierung des Hopfenanbaus angestrebt. Das ist umso wichtiger, da der Hopfen eine Monokultur ist, bei der der Schädlingsdruck unter Umständen sehr groß ist. Es wird am integrierten Pflanzenschutz gearbeitet, Bodenuntersuchungen werden regelmäßig vorgenommen, zum Thema Neonikotinoide initiierte der Verband auch eine Versuchsreihe in Zusammenarbeit mit Bienenzüchtern. Am Hopfenforschungszentrum in Hüll wird an Hopfenzüchtungen gearbeitet, bei der die Resistenzzüchtung eine tragende Rolle spielt. “Glauben Sie mir: Mir wäre es auch am liebsten, wenn ich nicht spritzen müsste”, betonte Adolf Schapfl, Vorsitzender des Hopfenpflanzerverbandes Hallertau. Denn Pflanzenschutz, wie er im Hopfenbau betrieben werde, sei nicht nur extrem aufwendig, sondern auch teuer.
Trotzdem kommt für mich die Frage, wie man dauerhaft ohne Chemie auskommen kann, hier noch zu kurz. Bio steckt beim Hopfenanbau noch in den Kinderschuhen. Gerade einmal vier Bio-Hopfenbauern gibt es im Moment in Bayern. Es braucht deshalb eine intensive Forschung, vor allem an resistenten Sorten und biologischen Verfahren zur Schädlingsbekämpfung, um den Einsatz von Pestiziden weiter zu minimieren. Hier muss der Staat ran und durch staatliche Forschung die Lücke für dieses bayerische Qualitätsprodukt schließen und das Hopfenforschungszentrum in Hüll als wichtige Einrichtung besser unterstützen.
Ein Zukunftmarkt für Bio-Hopfen ist dabei die amerikanische Craft-Beer-Bewegung. Zwar setzt sie vermehrt auf regionalen Bio-Hopfen; allerdings kommt die Craft-Beer-Bewegung den Hopfenanbauern in Bayern trotzdem zu Gute: während für 1l Standardbier lediglich 1g Hopfen verwendet wird, nehmen die Craft-Brauereien bis zu 12g. Das hat Signalwirkung auch auf die europäischen Craft Beer Brauereien und erhöht zudem die Nachfrage nach Hopfen, wodurch der Weltmarktpreis für Hopfen in die Höhe geht.
Laut Lfl  beträgt der Hopfenpreis, mit dem die Hopfenbauern durchschnittlich kostendeckend arbeiten können, 6,46 Euro pro Kilo. Letztes Jahr lag der Hopfenpreis pro Kilo bei 4,50 Euro. Vor allem die kleinen Hopfenbauern in der Hallertau und in Spalt brauchen einen vernünftigen Rohstoffpreis, der alle Kosten deckt, um die Hofnachfolge zu sichern und Investitionen tätigen zu können.
Nach einer sehr informativen Führung durch das Wolnzacher Hopfenmuseum besuchten wir noch das Kloster Scheyern, dass seine landwirtschaftlichen Güter gerade auf ökologische Bewirtschaftung umstellt. Frater Lukas erhofft sich dadurch eine Signalwirkung für die ganze Region. “Regionalvermarktung ist die Zukunft für die bayerische Landwirtschaft”, betonte er. Das landwirtschaftliche Gut beherbergt derzeit einige Bio-“Pensionsrinder”, bis der eigene neue Rinderstall fertig gestellt ist. Darüber hinaus haben 200 Hühner gerade einen neuen Stall bekommen. Die Umstellung auf Bio soll langsam entwickelt und gemeinsam mit den Kunden in der eigenen Metzgerei umgesetzt werden.

 

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