Lange Weggefährtinnen bei Bündnis 90/Die Grünen: Elke Scheil, Gemeinderätin in Surberg, hatte Gisela Sengl nach Lauter eingeladen. Die Landtagsabgeordnete stellte klar, warum grüne Politik auch heute wichtig ist.

„Mut zur grünen Politik“ – Von Energie über Landwirtschaft bis hin zu Gleichberechtigung

Von Sophia Urbauer

Eine offene Gesellschaft, Erneuerbare Energien oder hochwertige Lebensmittel „als selbstverständlich hinzunehmen, bringt genau diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten in Gefahr“, erklärte Gisela Sengl bei der Veranstaltung „Mut zur grünen Politik“ im Wirtshaus in Lauter. Die Landtagsabgeordnete zeigte auf, warum sie bei Bündnis 90/Die Grünen aktiv ist, welche Erfolge die Partei verbuchen konnte und in welchen Bereichen heute Handlungsbedarf besteht.

Politisches Interesse sowie vielfältige Volksvertreter aus allen Berufen seien „unglaublich wichtig“, meinte die Biobäuerin. Schließlich prägten politische Entscheidungen Gemeinden, Städte und das Land. So seien das Aufhalten des Waldsterbens, der Ausstieg aus der Kernkraft hin zu Erneuerbaren Energien sowie die schrittweise Gleichberechtigung der Geschlechter einige der größten Erfolge, die durch Bündnis 90/Die Grünen vorangebracht worden sind. 

„Passt ja alles so, wie es ist“, sage daher so mancher. Doch die Grünen seien keineswegs überflüssig, erklärte Gisela Sengl. Denn die Menschheit sei gerade dabei, sich ihre „eigenen Lebensgrundlagen zu entziehen“. Deshalb sei grüne Landwirtschafts- und Entwicklungspolitik unabdingbar. „Wir brauchen endlich eine Abkehr vom Export und der Orientierung am Weltmarktpreis“, meinte die agrarpolitische Sprecherin der Partei. „Stattdessen muss die Staatsregierung eine kleinteilige Landwirtschaft und regionale Kreislaufwirtschaft fördern.“

 

Ein aktuelles Anliegen der Surberger Grünen sei ein möglichst geringer Flächenverbrauch, erklärte Elke Scheil, die seit 15 Jahren im Gemeinderat ist. „Es ist wunderschön hier in Surberg zu leben. Wir möchten, dass das Dorf eine natürliche Heimat und eine ländliche Gemeinde bleibt“, stellte sie klar.

In der anschließenden Diskussion beschäftigten insbesondere die Themen Energiepolitik auf kommunaler Ebene und hochwertige Lebensmittel die Anwesenden. Thomas Wimmer, CSU-Politiker und zweiter Bürgermeister in Surberg, kritisierte, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz zwar „an sich gut“ sei, jedoch schlecht umgesetzt werde, da es vor allem für die Landratsämter zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeute. Außerdem werde „die Unversehrtheit der Wohnung“ eingeschränkt, wenn das Heizsystem überprüft wird.

Der Surberger Gemeinderat Hubert Anfang ist überzeugt: „Wir müssen in der Energieversorgung kurze Wege schaffen“, um Netzverluste langer Stromtrassen zu minimieren. „In jeder Gemeinde sollte Platz für zumindest ein Windrad sein“, meint er.

Claudia Spohn, die ebenfalls für die Grünen im Gemeinderat sitzt, bemängelte: „Arbeit ist nicht mehr so viel wert.“ Nicht jeder könne sich deshalb regionale und ökologische Lebensmittel leisten. Denn es gäbe auch in Surberg „gar nicht so wenige, die unter schlechten finanziellen Verhältnissen leben“.

„Solange ein Drittel der Lebensmittel weggeschmissen wird, sind sie einfach zu billig“, entgegnete Albert Aschauer. Die Tafeln seien zwar eine gute Einrichtung, doch große Konzerne nutzten die Kooperation mit ihnen als Werbestrategie, die „reine Show und Augenwischerei“ sei. Die Macht der Lebensmittelindustrie und deren Gehirnwäsche durch Werbung müsse von Politikern begrenzt werden, so der Teisendorfer. Gisela Sengl wies darauf hin, dass die CDU/CSU zum Beispiel eine Ampelkennzeichnung für Fette und Zucker auf Verpackungen blockiere.

Weitere Artikel der Themen Aus der Region, Ländlicher Raum, Politik