Offener Brief: “Die traurige Geschichte des Spritzkalenders”

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

herzlichen Dank an alle, die sich konstruktiv an der Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft beteiligen. Der wachsende Einsatz von Pestiziden ist aus unserer Sicht ein brisantes Problem. Die Verkaufszahlen der Pflanzenschutzwirkstoffe nehmen zu, die Probleme im bayerischen Grundwasser und in den Bächen und Flüssen wachsen, das zeigen die aktuellen Messwerte. Dabei handelt es sich beileibe nicht nur um Atrazin-Altlasten. Längst schlagen die Trinkwasserversorger Alarm. Dass Pestizide gerade in jüngster Zeit zu einem massiven Rückgang der Artenvielfalt (Bienen, Schmetterlinge, Feldlerchen, Hasen) geführt haben, ist durch Arbeiten vieler wissenschaftlicher Institutionen bestens dokumentiert:

https://goo.gl/vRmmV1
http://bit.ly/2xztObA
http://bit.ly/2gdfra9
http://bit.ly/2zfXg8A

Uns Grünen ist bewusst, dass ein Appell an die Landwirte, sie sollen doch weniger Pestizide einsetzen, am Problem vorbeigeht. Denn die Landwirte sind oft selbst Getriebene, die sich dem Diktat „wachse oder weiche“ ausgeliefert sehen. Wir brauchen stattdessen eine politische Lösung, die sowohl die natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser und Böden schützt, aber auch den Landwirten ihr Auskommen sichert. Wie wir uns das in Bezug auf den Pestizideinsatz vorstellen, haben wir erst kürzlich zusammengefasst und eine Pestizidminimierungsstrategie erarbeitet:
http://bit.ly/2yYXAaY

Wir wollen eine praxisbezogene Minimierung des Pestizideintrags in die Umwelt, um den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen und unser Grundwasser sauber zu halten. Dass dies ohne größere Ertragseinbußen möglich ist, zeigen zahlreiche Studien (z.b. https://www.nature.com/articles/nplants20178 ).

Wir tragen alle gemeinsam – als Verbraucher*innen, Politiker*innen und Landwirt*innen die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder und Enkel in einem Land leben können, in dem eine nachhaltige Landwirtschaft uns mit guten Lebensmitteln versorgt und Boden, Umwelt, Klima und Tiere schützt. Denn ihre Zukunft ist es, die von der traurigen Geschichte rund um die Ackergifte hauptsächlich betroffen ist. Über den Weg dahin sollten wir streiten; über das Ziel nicht.

Ihre
Gisela Sengl
Biobäuerin und Landtagsabgeordnete

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