img_5455

Regionalität in der Landwirtschaft braucht regionale Verarbeitungsbetriebe

Die Probleme bei der Betäubung von Schweinen im Chiemgauer Landschlachthaus in Trostberg traten bis jetzt nur bei Bio-Schweinen auf; es wird vermutet, dass sie deshalb wirklich in deren Konstitution begründet ist: Bioschweine sind vitaler und noch dazu oft schwerer als ihre konventionellen Artgenossen. Wichtig ist: kein Tier – ob bio oder nicht – musste leiden, weil im Zweifel sofort nachbetäubt wurde. 

In industriellen Großschlachtereien ist die CO2-Betäubung Standard; diese fällt aber immer wieder durch eklatante Tierschutzverstöße auf. Sie ist einfach billiger und nur aus wirtschaftlichen Gründen überhaupt noch erlaubt. Deshalb ist die Elektrobetäubung auf jeden Fall die vorzuziehende Variante, gerade weil es eine Einzeltierbetäubung ist und so individuell auf jedes Tier eingegangen werden kann.

Es ist richtig und wichtig, dass Verstöße verfolgt und geahndet werden. Das Chiemgauer Landschlachthaus wird diesbezüglich mittlerweile engmaschig und optimal begleitet vom Veterinäramt.

Kleine Verarbeitungsbetriebe haben jedoch grundsätzlich andere Bedingungen als große; deshalb sollte hier die Verhältnismäßigkeit von Verordnungen und Richtlinien beachtet werden. Gerade wenn wir mehr Regionalität in der Landwirtschaft wollen, braucht es auch regionale Verarbeitungsbetriebe. Dabei bleibt dass größte Problem der regional strukturierten Fleisch- und Metzgerbranche, egal ob bio oder konventionell, die Konkurrenz mit den großen, international agierenden Schlacht- und Fleischkonzernen, wo es rein nach Masse geht und damit kleinere Betriebe preislich überhaupt nicht mithalten können. Um regionale Betriebe zu erhalten, brauchen wir eine Politik der Verhältnismäßigkeit und eine Wertschätzung der Menschen, die noch persönlich Verantwortung für jedes einzelne Tier übernehmen.

Weitere Artikel der Themen Agrarpolitik, Aus der Region, Ernährung, Landwirtschaft & Ernährung, Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung, Politik, Tiere