Das Reinheitsgebot beginnt auf dem Acker

1516 – 2016: auf 500 Jahre Reinheitsgebot blicken die Bayerischen Brauer in diesem Jahr zurück. Doch es wird Zeit, dass wir hier viel weiter denken und sagen: Das Reinheitsgebot beginnt schon am Acker. Darüber war ich mir beim Gespräch mit Susanne Horn, Geschäftsführerin von Neumarkter Lammsbräu sowie Maria und Martha Krieger vom Riedenburger Brauhaus auf der BIOFACH in Nürnberg einig. 

An die Zutaten Getreide, Hopfen und Brauwasser sollten wir die höchsten Ansprüche haben. Doch in Zeiten von Gentechnik und Pestiziden auf den Feldern stellen sich für mich die Fragen: Ist unser bayerisches Bier wirklich so rein? Wäre es nicht an der Zeit für ein neues, zeitgemäßes Reinheitsgebot? Bier nach dem Reinheitsgebot ist das reinste Lebensmittel, das Verbraucher in Deutschland genießen könnten. Im Sinne des Verbrauchers lässt sich die grüne Gentechnik nicht mit dem Bayerischen Reinheitsgebot vereinen.

Das Problem dabei: es fließt viel zu wenig Geld in die Forschung.
Laut Susanne Horn von Lammsbräu investieren beide Bio-Brauereien Unternehmensgelder in die Pflanzenzüchtung, weil in der ökologischen Züchtung gar kein Geld vorhanden ist. Das ist aber natürlich nur in begrenztem Maße möglich.

Auch beim Thema Brauwasser ist noch viel zu tun: Viele Brauereien sehen die Verschlechterung der Wasserqualität in ihrer Region als großes Problem. Trinkwasserschutz muss an oberster Stelle stehen, und da muss man nicht erst beim Bier landen. „Der Ökolandbau ist letztendlich der einzige Möglichkeit für einen sicheren Grundwasserschutz“, bestätigt Susanne Horn. Schließlich verursacht vor allem die konventionelle Landwirtschaft die Nitratbelastung im Grundwasser. Die Wasseraufbereitung indes zahlt jetzt schon die Gesellschaft, also jeder einzelne Wasserkunde, und nicht die Verursacher.

Bio und regional – Zukunft der Brauereien

Im Sinne des Reinheitsgebots sollten die bayerischen Brauereien zukünftig noch mehr auf die Herkunft ihrer Produkte achten. Bio und regional – das ist nicht nur die Landwirtschaft der Zukunft, sondern auch die Zukunft der Brauereien. Die Nachfrage der Verbraucher nach Bioprodukten steigt seit Jahren; darüber hinaus wird auch das Label „regional“ bei Lebensmitteln immer wichtiger. Gerade beim Bier sind regionale Kultur, Brauchtum und Genuss aufs engste miteinander verknüpft – bayerisches Bier mit rumänischer Gerste, das kann doch nicht sein. Wenn die gezahlten Preise für regionale Ware wieder steigen, hat das auch automatisch Auswirkungen auf den Anbau. So können vom Erzeuger bis zum Verbraucher alle Beteiligten profitieren, wenn sie fair miteinander umgehen.

Bei den Biobrauereien setzt man indes längst auf Kreislaufwirtschaft: Neumarkter Lammsbräu bietet seinen Landwirten 5-Jahres-Verträge für die Abnahme der Rohstoffe – und damit langfristige Perspektiven. Der Lohn sind langfristige und verlässliche Partnerschaften, von denen beide Seiten profitieren.

Weitere Artikel der Themen Agrarpolitik, Ernährung, Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung, Ökolandbau, Politik, Wasser