Fachlich und Sachlich – Diskussion zur neuen Düngeverordnung – Auswirkungen auf Grünland- und Biogasbetriebe

Theorie und Praxis der neuen Düngeverordnung diskutierte ich auf Einladung des Maschinenrings Aibling-Miesbach-München e.V. v.l.mit Geschäftsführer Klaus Schiller, stellvertr. Vorstand Bartholomäus Heidenthaler, Projektleiter Nährstoffbörse Michael Höhensteiger, stellvertr. Vorstand Bernd Gasteiger. Mit dabei war auch Sebastian Henghuber von der Biomasse AG. (2.v.l.)

zu Besuch bei den Vertretern des Maschinenring Aibling-Miesbach-München e.V.

Wirtschaftlicher Druck steigt durch die Düngeverordnung

Was für regenärmere Gebiete in Bayern wie Unterfranken oder auch Ackerbauern weniger ein Problem ist, treibt konventionelle Grünlandbauern massiv um: Durch die neue Düngeverordnung ist die Menge an organischem Dünger (Gülle, Mist, Gärreste), die auf die Wiesen ausgebracht werden darf, schärfer begrenzt. Das System mit viel-geschnittenen Wiesen mit entsprechender Stickstoffversorgung (über Gülle etc.) und entsprechendem Viehbestand, funktioniert nicht mehr. Nach Angaben der Teilnehmer führt das soweit, dass überschüssige Gülle von Rosenheim in die Ackerbauregionen von Schwaben und Niederbayern gefahren werde. Zu den Kosten für den Transport und der Abnahme der Gülle durch die Ackerbauern kämen dann auch noch die Kosten für den chemischen Mineraldünger, der die „Nährstofflücke“ auf dem Grünland ausgleichen müsste.  Mehrkosten, die durch nichts ausgeglichen werden könnten. Alternativen für Milchviehbauern, wie z. B. die Viehzahl zu reduzieren oder Flächenzu  pachten, erscheinen schwierig angesichts bestehender finanzieller Verpflichtungen und der hohen Pachtpreise. Konventionelle Biogas-Betriebe, die bisher auch Kleegras verarbeitet hätten, würden verstärkt auf Mais setzten, da sich Mais in der Stickstoffbilanz weniger negativ auswirke. Mit dem Ergebnis, so die Gastgeber weiter, dass die Anbauflächen für Mais wohl eher zu- als abnehmen würden.

EU-Nitrat-Richtline für Gewässerschutz, Nitrat-Werte im Trinkwasser

Dass ein Schutz vor zu viel Nitrat/ Stickstoff dringend nötig ist und die Verabschiedung der Düngeverordnung viel zu lange hinausgezögert wurde – darin waren wir alle uns einig. Und auch, dass die, durch die bayerische CSU-Regierung angekündigten schärferen Maßnahmen in nitratbelasteten Gebieten, eher wenig bringen würden. Und auch, dass den unsinnigen Gülletransporten über weite Strecken Einhalt geboten werden muss.

170 kg Stickstoff pro Hektar – eine Zahl für ganz Bayern?

Der Wunsch meiner Gastgeber ist ganz klar. Sie wollen eine Erhöhung der erlaubten Stickstoffmenge auf 250 kg/ha Grünland erreichen. Damit könnten sie wirtschaftlich klar kommen.

Auf Dauer hilft nur ein Systemwechsel in der Landwirtschaft

Das mag für die jetzige Situation wohl hilfreich sein, aber Nitrat im Wasser ist nicht das einzige Problem. Ich bin überzeugt, auf Dauer hilft aber nur eine andere Landwirtschaft: weniger Tiere, weniger Grünlandschnitt, weniger Dünger.

Dafür fordern wir GRÜNE: die EU-Fördergelder konsequent nur noch an eine Landwirtschaft auszuzahlen, die  Leistungen  im Sinne des Tier- und Gemeinwohls erbringt. In diesem Fall: wieder mehr Artenvielfalt auf dem Grünland zulässt, den Tieren mehr Platz gibt und sie auf die Weide lässt.

Und – natürlich – müssen das auch wir Verbraucherinnen und Verbraucher honorieren.

 

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