Gisela Sengl bei Jetzt Red I in Aschau

Gisela Sengl zu Gast bei der BR-Sendung Jetzt Red I am 03.12. in Aschau zum Thema Kampenwandbahn

In der BR-Sendung „jetzt red i“ wurde am Mittwochabend erneut intensiv über den geplanten Neubau der Kampenwandseilbahn diskutiert. Während Befürworter*innen vor allem Chancen für den Tourismus sehen, warnte Gisela Sengl, Vorsitzende der Grünen in Bayern, vor einer Ausweitung des Massentourismus und dem Verlust der natürlichen Berglandschaft.

Sengl: „Remmidemmi am Berg – das brauchen wir nicht“

Gisela Sengl sprach sich deutlich gegen den Neubau und für den Erhalt der bestehenden Seilbahn aus. Sie kritisierte den Trend zu immer größeren und kapazitätsstärkeren Anlagen:

„Nicht immer höher, schneller, weiter.“

Sengl warnte davor, dass mit der neuen Achtergondelbahn weitere touristische Großprojekte folgen könnten – etwa Funparks oder spektakuläre Erlebnisangebote, die nicht zu einer naturverträglichen Nutzung der Berge passen.

„Die Alpen leiden am meisten unter dem Klimawandel. Wir sollten nicht gegen die Natur arbeiten, sondern im Einklang mit ihr.“

Statt auf immer größere Kapazitäten zu setzen, fordert Sengl einen Bergtourismus, der die ökologische Belastbarkeit respektiert und die Ruhe der Bergwelt schützt.

Sorge vor wachsendem Massentourismus

Kritische Stimmen kamen außerdem aus der Bürgerschaft. Mehrere Diskutierende äußerten die Befürchtung, dass eine leistungsstärkere Bahn deutlich mehr Besucher*innen anziehen könnte – mit Folgen für Ruhe, Routenauslastung und Umwelt.
Renate Herpers, regelmäßige Nutzerin der Bahn, formulierte es so:

„Mein Bedürfnis ist es, auf der Kampenwand Weite und Stille zu genießen. Das ist für mich Seelennahrung.“

Auch der Bund Naturschutz hält den geplanten Neubau für problematisch. Rainer Auer warnte vor einer möglichen „Kommerzialisierung der Kampenwand“. Nach Investitionen von 20 bis 30 Millionen Euro sei es unrealistisch anzunehmen, dass es bei der Seilbahn allein bleiben werde. Er verwies auf mögliche spätere Projekte wie Downhillstrecken, Sommerrodelbahnen oder Eventformate auf der Sonnenalm.

Naturschutzverband klagt – Kompromiss noch möglich

Der Bund Naturschutz hat gegen die 2022 erteilte Genehmigung geklagt. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof befasst sich aktuell mit dem Fall. Bis zum 20. Januar haben alle Beteiligten Zeit, im Rahmen eines außergerichtlichen Verfahrens eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Sengl fordert Weitsicht und Naturverträglichkeit

Für Gisela Sengl bleibt klar: Der Fokus muss auf einem Tourismus liegen, der die einzigartige Bergwelt erhält und Belastungen reduziert – nicht steigert.
Sie plädierte dafür, die bestehende Seilbahn technisch zu erneuern, statt sie massiv auszubauen:

„Was wir brauchen, ist ein Tourismus, der zu Bayern passt – nicht ein Funpark auf der Kampenwand.“