„Red ma moi“ über die Alzbrücke

Es gibt einiges, was den Menschen in Seebruck derzeit auf der Seele liegt. „Red ma moi“ forderte ich deshalb gemeinsam mit unserem Grünen Ortsverband Chiemsee Ost (der auch die Gemeinde Seebruck umfasst) und lud zum Gespräch in den Hafenwirt. Auch Bürgermeister Bernd Ruth und einige Gemeinderäte waren, neben über 50 Seebruckerinnen und Seebruckern, unserer Einladung gefolgt. Hier der Bericht:

Hauptthema des Abends war die marode Alzbrücke. Dass sie saniert werden muss, ist unstrittig – dass sie danach, wie vom staatlichen Straßenbauamt geplant, auch für 40-Tonner befahrbar sein soll, gefällt den Seebruckern nicht.

Das Problem: da es sich um eine Staatsstraße handelt, gibt es derzeit rechtlich keine Möglichkeit, eine Tonnagebeschränkung anzuordnen. „Diese Straße hat aber durchaus ihre Besonderheiten“, betonte Landtagsabgeordnete Gisela Sengl. Steigung, enge Kurve und Querung der Alz, und das Aufeinandertreffen von PKW, LKW, Fahrrädern vom Chiemsee Rundweg und Fußgängern an der Brücke – für Fälle wie die Staatsstraße in Seebruck bräuchte es dringend eine Ausnahmeregelung. „Doch die CSU sperrt sich bisher leider gegen solche Gesetzesänderungen“, so Sengl.

Mehrere Varianten für die Brückensanierung waren bisher ins Spiel gebracht worden, doch sie seien bis auf eine vom Tisch, bestätigte Bürgermeister Ruth – auch die Variante des ehemaligen Bürgermeisters Glück, die Brücke in unmittelbarer Nachbarschaft zur alten Brücke zu errichten und dann fertig an den alten Standort zu verschieben – technisch angeblich nicht machbar. Laut aktuellen Planungen des Straßenbauamts soll es deshalb zukünftig zwei Brücken geben: eine Rad- und Fußgängerbrücke an Stelle der jetzigen Brücke, und eine zweite für den PKW- und LKW-Verkehr direkt daneben. Doch die Gemeinde lehne diese Variante ab, weil sie zu monströs sei, so Bürgermeister Ruth.

Kritik gab es von den Bürgerinnen und Bürgern auch an der derzeitigen Praxis der Verkehrsumleitung: Momentan wird der Verkehr über Truchtlaching umgeleitet. Es dürfe nicht sein, dass Seebruck das Problem nur weiter verlagere, so ein Bürger, und erhielt Zustimmung von MdL Sengl: „Unser Ziel muss sein, den Verkehr großräumig auf die Autobahnen und Bundesstraßen umzulenken. Auch hierfür bräuchte es aber wieder eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.“

Viel Beifall erhielt der Vorschlag Sengls, die Bürgermeister der Chiemsee-Gemeinden sollten eine Allianz gründen, um den Schwerlast-Verkehr am Chiemsee zu begrenzen. „Unter der Verkehrsbelastung durch den Schwerlastverkehr leiden alle Chiemsee-Gemeinden, und zur Reduzierung des PKW-Verkehrs muss dringend der ÖPNV ausgebaut und auch an touristische Bedürfnisse angepasst werden“, so Sengl. Nur ein gemeinsames Vorgehen und eine bürgernahe Suche nach Lösungsansätzen würden etwas an der Situation verändern.

Viele Wortmeldungen einzelner Seebrucker machten deutlich: die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich nicht richtig informiert und gehört. Sengl forderte Bürgermeister Ruth daher eindringlich auf, zum Thema Alzbrücke eine Bürgerversammlung abzuhalten, zu der auch das staatliche Straßenbauamt Traunstein eingeladen werden solle. „Seebruck könnte durch die 40-Tonner-Brücke den Status als Luftkurort verlieren“, betonte Sengl. Und das wolle sicher niemand.

Das Schlusswort hatte Gemeinderat Rudi Meier, der den Grünen für die Einladung zu diesem Gespräch dankte: „So eine sachliche und informative Diskussion über das Thema Brücke mit den Bürgern in Seebruck habe ich noch nicht erlebt.“

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