Wenn der politische Wille da ist, dann ist eine Agrarwende möglich.

Die Frage, ob wir es immer öfter statt mit Lebensmittel, mit einem Skandal zu tun haben, bewegt offensichtlich viele Menschen im Chiemgau. Bei der Veranstaltung „Lebensmittel oder Skandal? – Weil wir wissen wollen was auf den Teller kommt!“ am 20. März im Unterwirt in Waging war der Zuspruch mit über 60 Gästen erfeulich groß.

Nach einer kurzen Einführung durch Inge Kämpfl vom Grünen Ortsverband Waging übernahm Wagings zweiter Bürgermeister Hans Kern  die Moderation der Podiumsdiskussion.

Die Bandbreite der Diskussionsteilnehmer war hoch. Vertreter von Organisationen wie dem BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter), Besitzer von Nebenerwerbsbetrieben, BerufsschullehrerInnen aber auch interessierte VerbraucherInnen meldeten sich zu Wort. Dabei wurde schnell klar, die Situation ist noch ernster als die medial verstärkten Lebensmittelskandale vermuten lassen. Die Versorgung von Lebensmitteln durch regionale und dezentrale Strukturen ist auf dem Rückzug. Die Zahlen für Hofübernahmen gehen beständig zurück, da sich besonders junge Menschen nicht mehr auf ein Leben als LandwirtIn einlassen wollen. Selbst Biobauern geraten druch Großvermarktungsstrukturen in einen Preisdruck, der manche Höfe zur Aufgabe zwingt.

Gisela Sengl wies deutlich darauf hin, dass es den politischen Willen zur Agrarwende braucht. Solange eine Regierung nicht bereit ist das Mantra „wachse oder weiche“ zu druchbrechen, indem es die Anreize für immer größere industrielle Agrarbetriebe abschafft, dann wird es eine kleinbäuerliche Struktur irgendwann nicht mehr geben. Es müsse endlich aufgehört werden ausschließlich die Fläche von Agrarbetrieben zu fördern. Wer eine Landwirtschaft will die gut für Menschen und Umwelt ist, der kann keine industriellen Agrarbetriebe wollen und fördern.

Franz Obermeyer, selbst Biolandwirt, stellte klar, dass auch der Verbraucher umdenken muss. Wer ein Lebensmittel kauft, dem muss klar sein, dass er auch die Umstände unter denen es produziert wird damit in Kauf nimmt. Wer Bio kauft und Bio bezahlt, tut nicht nur seinem Körper sondern auch der Umwelt und seiner Heimat einen Gefallen.

Der Tierarzt Dr. Rupert Ebner stellte klar, dass es den mittlerweile vier grünen Landesagrarministern zu verdanken ist, dass mittlerweile immer häufiger Lebensmittelskandale ans Licht kommen. Viele Produzenten wurden unter anderen Regierungen offensichtlich lange gedeckt, was nun nicht mehr der Fall ist. Es wäre nach Herrn Ebners Aussage zu begrüßen, wenn es bald noch mehr gürne Landwirtschaftsminister gebe, damit immer deutlicher wird, dass wir eine andere Produktion von Lebensmitteln brauchen. Ähnliches gelte auch für den Einsatz von Antibiotika bei der Fleischproduktion. Es sei erstaunlich und ärgerlich zugleich, dass die Leute, die immer wieder in solchen Bezügen auftauchen nicht aus dem Verkehr gezogen werden.

Gertraud Gafus vom AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) machte darauf aufmerksam, dass eine kleinteilige Landwirtschaft ein Wert an sich sei. Der Bezug zu den Lebensmitteln und ihrer Produktion sei wichtig, auch um bei den Menschen ein Busstsein zu schaffen. Diese Aufgaben kann man nicht irgendwann abschließen, sonder muss sie von Generation zu Generation weiter vermitteln.

Dr. Michael Rittershofer vom Förderverein-TAGWERK machte dann noch einmal auf die Situation des Bioeinzelhandels aufmerksam. Es sei wichtig biologisch und regional einzukaufen, genauso wichtig sei es aber auch regionale Erzeuger mit fairen Preisen die Möglichkeit zu geben, von ihrer Arbeit zu leben. Bio zu Dumpingpreisen sei weder erstrebenswert noch nachhaltig machbar.

Die angeregte Diskussion dauerete insgesamt zweieinhalb Stunden und band viele Fragen und Statements aus dem Publikum mit ein.

Neben vielen anderen waren auch die Helga Mandl, der Sepp Hohlweger, die Burgi Mörtl-Körner und unser Bundestagskandidat Bernhard Zimmer mit dabei.

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