Lebensmittelverschwendung jetzt reduzieren!

1,31 Millionen Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr in Bayern weggeworfen – bei der Ernte, bei der Verarbeitung, im Handel, in Kantinen und Gaststätten und in Privathaushalten. Eine unfassbar große Menge.

Allein im Lebensmittelhandel landen 99.000 Tonnen Lebensmittel im Müllcontainer. Und zwar nicht etwa Lebensmittel, die verdorben und verschimmelt sind, sondern Lebensmittel, die einwandfrei und voll genießbar sind. Aber eine Delle in der Tomate, ein brauner Fleck auf dem Apfel oder weil das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Chips abgelaufen ist – das alles macht diese Lebensmittel für den Lebensmittelhandel unverkäuflich und deshalb ab damit in die Mülltonne.

Diese Zahlen sind zu finden im Bericht des Kompetenzzentrums für Ernährung in Bayern (KErn) aus dem Jahr 2014 mit dem Titel: „ Lebensmittelverluste und Wegwerfraten in Bayern“. Leider hat es die Staatsregierung bis heute nicht geschafft, aus diesem Bericht die richtigen Schlüsse zu ziehen, damit die Lebensmittelverschwendung in Bayern endlich signifikant verringert wird.

Zum Video der Rede im Plenum:

 

Ganz im Gegenteil: in Bayern werden Menschen, die sich bei der Lebensmittelrettung engagieren, auch noch gerichtlich verurteilt, so wie die zwei jungen Frauen heuer im Januar, die Lebensmittel aus einem Müllcontainer eines Supermarktes herausgeholt haben. Sie sagten:

„Wir können nicht schweigend akzeptieren, dass Lebensmittelverschwendung in Deutschland ohne rechtliche Folgen bleibt, während gleichzeitig jene verfolgt werden, die gegen Lebensmittelverschwendung aktiv werden.“

Dieses Urteil ist ein Skandal!

Ganze Brotlaibe, Semmelpackungen, Bananen, Tomaten, Gurken, wunderbare weiße Radi, Toast, Käse, Brotaufstriche und und und – das alles wird einfach weggeschmissen. Dieser schäbige Umgang mit Lebensmittel und unsere politische Untätigkeit, hier endlich wirkungsvolle Gegenmaßnahmen zu ergreifen, bedeutet übrigens alles andere als eine Wertschätzung für die Menschen, die mit viel Mühe und Herzblut diese Lebensmittel erzeugen. Dieser schäbige Umgang ist außerdem eine gigantische Ressourcenverschwendung und ist einfach unethisch und vor allem auch unsozial.

Um hier endlich Veränderungen herbeizuführen, sollten wir gesetzgeberisch tätig werden. Schöne Worte und Sonntagsreden genügen bei diesem Thema nicht mehr. Frankreich ist da schon viel weiter und seit 2018 auch Tschechien. In diesen Ländern wird der Lebensmitteleinzelhandel gesetzlich dazu verpflichtet, unverkäufliche aber noch genießbare Lebensmittel an soziale Einrichtungen abzugeben.

Genau das fordern auch die zwei SPD-Anträge, deshalb werden wir beiden Anträgen zustimmen. Wo wir als Gesetzgeber die Möglichkeit haben, eine Reduktion der Lebensmittelverschwendung zu bewirken, sollten wir das auch nutzen.

 

 

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