Ernährung

Bodenschutz in Bayern endlich voranbringen!

Am 5. Dezember ist Weltbodentag. Aus gutem Grund! Weltweit, auch bei uns in Bayern, gehen täglich viel zu viele fruchtbare Böden durch Erosion verloren, werden vergiftet oder versiegelt. Der Schutz der Böden ist aber lebenswichtig, gerade angesichts immer mehr Menschen auf dem Planeten und immer anspruchsvollerem Konsum. Böden tragen leisten einen enorm wichtigen Beitrag für den Klimaschutz: Bodenhumus speichert doppelt so viel Kohlenstoff, wie es in der Atmosphäre gibt. Und auch für die Biodiversität sind Böden entscheidend: Immerhin leben unterhalb der Bodenoberfläche mehr Organismen als oberhalb. Darüber hinaus garantieren Böden 90 Prozent unserer Nahrung.

Unsere Böden sind aber in Gefahr. Kein Wunder, sollen die Schutzmaßnahmen doch rein freiwillig erfolgen. Eine geplante europäische Bodenschutzrichtlinie wurde von der CSU-Staatsregierung massiv bekämpft und schließlich zu Fall gebracht. Wir Grüne fordern seit Langem, verbindliche Bodenschutzmaßnahmen in Bayern zu verankern und den Bodenschutz in Bayern endlich voran zu bringen. Unser Antragspaket aus dem Jahr 2015 hat leider nichts an Aktualität verloren.

Landwirtschaft und Essen gehören zusammen

Landwirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher wieder zusammenzubringen: das ist mein politischer Ansatz, und deshalb bin ich sehr froh darüber, dass ich jetzt Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung meiner Fraktion bin. Denn wir alle wollen gut essen. Gut im Sinne von frisch und gesund – aber auch gut in Bezug auf die Natur, von der wir leben, und gut in Bezug auf die Bäuerinnen und Bauern. Gesunde Umwelt, gesunde Pflanzen, gesunde Tiere, gesundes Essen und gesunde Menschen – das muss zusammen gedacht werden. Gerade angesichts der Klimakrise müssen wir uns in diesen Bereichen riesigen Herausforderungen stellen. Wir alle müssen ökologischer und nachhaltiger wirtschaften, um die Welt, wie wir sie kennen, zu retten. Ich freue mich deshalb, dass ich meine Arbeit der letzten Jahre auf diesem Gebiet nun fortsetzen kann.

Verbot unlauterer Handelspraktiken schützt im Kern jetzt Nestlé und Co.

Der Ansatz der EU-Kommission, unfaire Handelspraktiken anzugehen, ist im Prinzip sehr gut und soll Landwirte und kleine und mittlere Betriebe schützen. Leider wurde dieser Schutz auf Großunternehmen ausgeweitet, zudem hat MdEP Albert Deß (CSU/EVP) mit einem zusätzlichen Passus dafür gesorgt, dass dem Handel künftig verboten werden soll, Waren über dem gesetzlichen Standard beim Umwelt- und Tierschutz anzubieten. Dieser zusätzliche Passus muss in den Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission (Trilog) dringend wieder herausverhandelt werden. Jetzt liegt es an den Agrarministern der Mitgliedsstaaten, diesen Passus verhindern. Denn dem Handel niedrige Standards aufzuzwingen, ändert nichts an niedrigen Erzeugerpreisen und den bekannten Abhängigkeiten.

Natürlich soll der Handel nicht als eine Art Gesetzgeber fungieren. Ich habe immer angeprangert, dass der Handel die Regeln festlegt. Aber wenn die regierenden Parteien es nicht hinbekommen, Tierschutzstandards und Umweltschutzstandards verbindlich festzulegen, reagiert eben der Handel auf den Verbraucherwillen. Höhere Standards müssen durch bessere Erzeugerpreise honoriert werden, Das ist jetzt nicht der Fall, weil die höheren Standards willkürlich und die Kontrollen nicht transparent sind. Es ist Aufgabe der Gesetzgebung, endlich eine gesetzliche Tierhaltungskennzeichnung auf den Weg zu bringen.

Kein Patent auf Gerste und Bier!

Nach der Entscheidung des Europäischen Patentamts dürfen bestimmte Braugerstensorten ab sofort nur noch von zwei Großbrauereien eingesetzt werden – solche Patente auf Leben sind aber ein No-Go! Die Patenterteilung ist ein klarer Bruch mit dem europäischen Patentrecht, das eigentlich Patente auf Pflanzensorten und auf konventionelle Züchtung verbietet. Dass das Europäische Patentamt dennoch so entschieden hat, ist absolut zu kritisieren. Deutschland und Bayern müssen sich jetzt stark machen, dass die Sortenvielfalt bei der Gerste für alle Brauereien zugänglich bleibt. Keine Patenterteilung auf Leben!

Zum Hintergrund: Trotz des Einspruchs des Bündnisses „No patents on seeds!“ hat das Europäischen Patentamts (EPA) an der Patenterteilung auf eine bestimmte Braugerstensorte für Heineken und Carlsberg festgehalten.

Bio-Verpflegung hilft Kindern beim Gesundwerden

Vor zehn Jahren wurde im Landshuter Kinderkrankenhaus die Umstellung auf 100% Bio-Essen beschlossen. Wie wir nun erfahren haben, gibt es nun eine komplette Kehrtwende zu 100% konventionell. Das ist mir völlig unverständlich, denn die Umstellung auf Bioprodukte war damals ein Bekenntnis zu gesunder Ernährung der kleinen Patientinnen und Patienten. Auch damals war schon klar, dass der Wareneinkauf teurer wird, aber das war es allen in der Vergangenheit auch wert.

Zehn Jahre lief das Konzept gut, das Kinderkrankenhaus St. Marien war mit seiner Bio-Verpflegung ein Vorzeigeprojekt in der Biostadt Landshut. Dass man jetzt aus Kostengründen komplett auf konventionelle Waren zurückgreift, ist ein herber Schlag, der die gesellschaftliche Entwicklung zu mehr Bio komplett ignoriert.

Gerade für einen kirchlichen Träger passte das Gesamtkonzept in die Enzyklika, umso weniger verständlich ist, dass plötzlich ausschließlich betriebswirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen. Damit bleibt das Bekenntnis zum Erhalt der Lebensgrundlagen nur eine Worthülse.

Wir Landtagsgrüne fordern deshalb die Klinikleitung auf, bei 100% Bio zu bleiben, denn biologische Landwirtschaft ist in jeder Hinsicht gesundheitsförderlich und ohne eine gesunde Ernährung gibt es keine Gesundheit!

Renate Künast im Landkreis Traunstein

Volles Haus in Übersee beim Besuch von Renate Künast! Mit über 80 Menschen sprachen wir über Landwirtschaft, Ernährung und solidarisches Zusammenleben. Wir brauchen einen Strukturwandel in der Agrarpolitik genauso wie im Ernährungssektor. Es ist mittlerweile viel einfacher, sich ungesund zu ernähren anstatt gesund – dabei müsste es umgekehrt sein! Nicht die Industrie darf die Regeln bestimmen, die Politik muss das tun!

„Ein Leuchtturmprojekt in der Gemeinschaftsverpflegung“

Im Rahmen meiner Kantinentour durch Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung durch ganz Bayern machte ich kürzlich auch in Traunreut Station – bei der Kantine von Bosch Haushaltsgeräte (BSH), die durch extern durch die Navitas GmbH betrieben wird. Der mehrfach ausgezeichnete Küchenchef Klaus Wimmer führt seine erst kürzlich ausgegliederte Firma Navitas (Navitas Restaurations GmbH c/o BSH Hausgeräte GmbH) mit besonders viel Herzblut. Damit setzt er in der expandierenden Branche der Gemeinschaftsverpflegung Maßstäbe. Es gehöre zur Firmenphilosophie, sowohl der B/S/H/ als auch der Navitas, dass sich sowohl Gäste als auch Mitarbeiter wohl fühlen und respektiert werden. „Ein Leuchtturmprojekt in der Gemeinschaftsverpflegung“ weiterlesen

Kommentar von Martin Häusling zu neuen Züchtungstechniken

Den Beitrag in Spiegel Online von Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, hat der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Martin Häusling, treffend kommentiert:

https://www.martin-haeusling.eu/themen/agro-gentechnik/1987-kommentar-zum-spiegel-artikel-von-forschungsministerin-theresia-bauer-bw.html

Ein Ernährungsrat für den Landkreis Traunstein

Die Art und Weise, wie wir essen, ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit. Essen berührt Gesellschaft, Gesundheit, Kultur, Wirtschaft und Umwelt. Immer mehr Menschen achten auf Ursprung, Erzeugung und Verarbeitung ihrer Lebensmittel und interessieren sich dafür, was in ihrem Essen drin ist. Sie entwickeln eine Ernährungskultur, die Genuss und gutes Gewissen miteinander verbindet, und möchten sich und ihre Familien bewusst, gesund und nachhaltig, mit Produkten aus der Region und aus ökologischem Anbau, versorgen. Laut Ernährungsreport 2017 wünschen sich 90 % der Deutschen einheitlich hohe Qualitätsstandards, am besten Bio, in der Außer-Haus-Verpflegung von Kindern und Jugendlichen, also an Kindergärten, Schulen und anderen Betreuungseinrichtungen.

Tatsächlich kommt der Außer-Haus-Verpflegung auch gesellschaftlich ein immer größerer Stellenwert zu: immer mehr Erwachsene und Kinder essen zumindest mittags auswärts; in vielen Haushalten wird immer weniger gekocht. Und: die ernährungsbedingten Krankheiten nehmen immer weiter zu – allein in Bayern sind zum Beispiel bereits 8,8 % der Vorschulkinder übergewichtig.

Darüber hinaus beeinflusst unsere Ernährung auch Natur und Kulturlandschaft, hier bei uns und weltweit. Seit die landwirtschaftliche Produktion, der Handel und das Essen globalisiert sind, drohen viele Dinge, die unser Leben in unserer Region ausmachen, verloren zu gehen: die abwechslungsreiche Kulturlandschaft, das Lebensmittelhandwerk, die gewachsenen Dorfkerne mit Lebensmittelladen.

Gründe genug, hier aktiv zu werden: auf meine Initiative haben sich verschiedenste gesellschaftliche Akteure aus dem Landkreis Traunstein zusammengeschlossen, um einen Ernährungsrat für den Landkreis zu gründen. Nach gemeinsamer Vorarbeit mit Helga Geistanger von Slow Food und Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz fand am 15. Juni das erste Treffen statt – und war ein voller Erfolg! Ein Ernährungsrat für den Landkreis Traunstein weiterlesen

Du bist, was du isst! Für ein kostenfreies Mittagessen an Bayerns Schulen

Noch längst nicht alle Schulen in Bayern bieten überhaupt ein Mittagessen an; und wenn, dann ist oft ist die Qualität mangelhaft und außerdem ist es für manche Eltern auch zu teuer. Wir wissen, dass für ein gesundheitsförderndes Essverhalten, vielfältige Kompetenzen rund ums Essen und Trinken nötig sind. Und dabei ist Schule, vor allem im Ganztagsbetrieb, der Lern-, und Lebensraum, an dem Theorie und Praxis erfolgreich verknüpft werden können. Deshalb genügen beim Thema Schulverpflegung weder Anträge noch Projekte, hier braucht es einen Paradigmenwechsel.

Der grüne Gesetzentwurf, der diese Woche im Bildungsausschuss beraten wird, fordert deshalb die Kostenübernahme für das Mittagessen in Schulen durch den Staat. Dann können wir auch die Qualitätsstandards definieren – und die sollten sich mindestens an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren. Bio, regional und saisonal wären noch besser, aber mit dieser glyphosatgesteuerten CSU-Regierung ist das derzeit ein Wunschtraum.

Die drei Probleme der Mittagsverpflegung an den bayerischen Schulen sind schnell ausgemacht: Die Qualität, die Zuständigkeit und der Preis. Es kann nicht sein, dass in diesem wohlhabenden Land Kinder mit leerem Bauch in den Nachmittagsunterricht müssen, weil sie von den Eltern kein Essensgeld mitbekommen. Auch aus sozialen Gründen sollte es eine kostenfreie Mittagsverpflegung geben!

Hier geht’s zum Grünen Gesetzentwurf!