Agrartour in der Oberpfalz: regionale Produkte, beste Qualität

Mit meinem Kollegen Jürgen Mistol war ich im Rahmen der Agrartour in der Oberpfalz unterwegs. Hier der Bericht:

100% der Rohstoffe über Erzeugergemeinschaft

Erste Station der Tour war die Brauerei Lammsbräu in Neumarkt, ein innovatives Unternehmen, das auf Regionalität und Ökologie setzt. „Regionale Produkte schaffen Identität und regionale Wirtschaftskreisläufe müssen auch auf politischer Ebene befördert und unterstützt werden“, so Jürgen Mistol. Gisela Sengl stimmt ihm zu: „Jede Region hat Ihre Spezialitäten und Stärken, und die gilt es weiter voran zu bringen.“ Lammsbräu war und ist Pionier als Brauerei, die unter Ökostandards produziert. Seit über 25 Jahren wird das Unternehmen von einer regionalen Erzeugergemeinschaft mit mittlerweile 154 Betrieben beliefert. 2014 gelang es zum ersten Mal, den gesamten Rohstoffbedarf zu 100 Prozent über diese Erzeugergemeinschaft zu decken. „So wird die Oberpfalz als Markt gestärkt“, resümiert Stefan Schmidt, der grüne Bezirksvorsitzende aus der Oberpfalz, der auch mit auf Tour war. Natürlich stand auch das Thema Wasserqualität auf der Tagesordnung des Besuchs, denn die Bierqualität hängt entscheidend vom Wasser ab. Mit Besorgnis sehen die grünen Politiker – aber auch die Firma Lammsbräu – die Verschlechterung der Wasserqualität in der Region, die vor allem durch die intensive Landwirtschaft bedingt ist. „Da muss was getan werden“, waren sich alle einig, zum Beispiel in Wasserschutzgebieten nur noch Ökolandbau zuzulassen.

Regional und Bio: Lieferengpässe

Dann ging es weiter nach Amberg in das „Casino Wirtshaus“, das auf Regionalität und Qualität setzt. In dem Gespräch mit dem Casino Wirt Hans Graf wird schnell deutlich, das bei ihm nur das auf den Tisch kommt, was wirklich Qualität hat – und das ist regional und bio. Von diesem Konzept sind auch die Grünen überzeugt und wollen gerade die regionale Biolandwirtschaft und – tierzucht fördern, denn der Casino-Wirt hat immer wieder mit Lieferengpässen zu kämpfen. Besonders beim Fleisch, dass muss er sich jetzt aus Hessen liefern lassen, weil es vor Ort nicht genug Bio-Angebot gibt. Eine Riesenchance für die Oberpfälzer Landwirte, meint Gisela Sengl und ist froh, dass jetzt auch Amberg-Sulzbach zur Öko-Modellregion gekürt wurde. Isabell Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald, ist eine Mitinitiatorin des Projektes. Sie erhofft sich dadurch eine Stärkung des Ökolandbaus in der Region. Einig war man sich bei diesem Gespräch, dass alle Landwirtschaftsschulen auch eine Ausbildung im Ökobereich anbieten müssen, dass die Beratung der Bauern in dieser Hinsicht verbessert werden muss. Und das die Lenkung des Ernährungsverhaltens schon in der Kita beginnt. Außerdem brauche es eine Koordination der Vermarktung der regionalen Produkte und immer wieder Werbekampagnen dafür. Das alles haben sich die Initiatoren der Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach auf die Fahnen geschrieben.

Fische aus Bio-Aqua-Kultur

Der grandioser Abschluss des ersten Tages der Tour: Unweit der Grenze zu Tschechien haben sich Gisela Sengl und Jürgen Mistol in Lindau bei Schönsee über die Bio-Aquakultur von Johann Kraus informiert und dann mit ihm in seinem Restaurant ‚Weiherblasch‘ zusammen gekocht und selbstverständlich auch gegessen. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz und das Essen war ein Hochgenuss. Natürlich durfte dabei der teicheigene Fisch nicht fehlen. Johann Kraus hat die Fischzucht von seinem Vater übernommen und betreibt seit 2008 eine zertifizierte Bio-Aqua-Kultur. Und die Nachfrage ist groß, der Fisch wird nicht nur im eigenen Restaurant angeboten – auch der Handel floriert. Lachs- und Bachforellen, Saiblinge und Karpfen gedeihen in vier Teichen gut, werden vor Ort verarbeitet und frisch, geräuchert oder gebeizt verkauft. Der Erfolg des Restaurants gibt dem Johann Kraus Recht und die grünen Abgeordneten sind begeistert, denn das sind genau die Projekten und Strukturen, die sie fördern wollen um die heimischen Wirtschaftskreisläufe zu unterstützen.

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Grünes Kochevent im Restaurant Weiherblasch (v.l.): Inhaber Johann Kraus, Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol, Elisabeth Bauer (Sprecherin KV Schwandorf), Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und Stefan Schmidt (Bezirksvorsitzender Grüne Oberpfalz)

 

 

Mit dem Rundgang über den Weidner Bauermarkt startete der nächste Tag, Gespräche mit den regionalen Erzeugern standen auf dem Programm. Der Rundgang wurde ein richtiges Erntedank-Fest: Das üppiges Angebot an ökologischen und regionalen Produkten auf dem Unteren Markt in Weiden überzeugte. Mit dabei war auch Veit Wagner, grüner Stadtrat in Weiden, der natürlich stolz seinen Weidner Markt präsentierte.

Grüner Besuch auf dem Weidener Bauernmarkt (v.l.): Stadtrat Veit Wagner, die Landtagsabgeordneten Gisela Sengl und Jürgen Mistol, Landwirt Hans Werner und Bezirksvorsitzender Stefan Schmidt
Grüner Besuch auf dem Weidener Bauernmarkt (v.l.): Stadtrat Veit Wagner, die Landtagsabgeordneten Gisela Sengl und Jürgen Mistol, Landwirt Hans Werner und Bezirksvorsitzender Stefan Schmidt

Einheimische Fischer, Jäger und Gemüsenbauern als Lieferanten

Weiter ging es nach Auerbach in das Restaurant „SoulFood“. Hier waren sich Gisela Sengl und Jürgen Mistol einig: „Hier stimmt die Qualität und das Konzept“. Durch den Einkauf von saisonalen und regionalen Produkten können die Inhaber von SoulFood, Christine Heß und Michael Laus, beste Qualität zu einem guten Preis anbieten. Zu ihren Lieferanten gehören einheimische Fischer, Jäger und Gemüsebauern. „Das sind die Konzepte, die wir gut finden, weil dadurch die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkte und etwas für die Umwelt getan wird, aufgrund der eingesparten Transportwege“, meint Gisela Sengl. „Mit unserer Ernährung, unserem Konsumverhalten und einer Produktverarbeitung wie im Restaurant SoulFood können wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Heimat leisten. Denn eine ökologische und regional verankerte Landwirtschaft sorgt für frische Produkte. Gastronomie, Handwerk, Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung schaffen Werte und erhalten Wirtschaftsstrukturen und Wertschöpfung in den Regionen vor Ort.“ Und da habe die Oberpfalz einiges zu bieten.

Über das Konzept des Restaurants "Soul Food" sprachen: Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol; Michael Lauch (Koch und Inhaber), Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, Bezirksvorsitzender Stefan Schmidt und Christine Heß (Inhaberin)
Über das Konzept des Restaurants „Soul Food“ sprachen: Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol; Michael Lauch (Koch und Inhaber), Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, Bezirksvorsitzender Stefan Schmidt und Christine Heß (Inhaberin)

Auerochsen regionale Attraktion

Das Ende der Tour stand in Auerbach, wie sollte es anders sein, ganz im Zeichen der Auerochsen. Im NSG Leoni präsentierte Peter Eckert (Zweiter Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz Auerbach) die Auerochsenzucht des Landesbund für Vogelschutz. Die 60 Auerochsen sind eigentlich nur als Rasenmäher eingesetzt zur Pflege des Naturschutzgebiet auf der ehemaligen Erzgrube Leoni, um den Lebensraum für Wiesenbrüter zu erhalten, aber mittlerweile sind sie zu einer echten Attraktion in der Region geworden.

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