Bio im Fünfseenland

Die Heimat.Genuss.Kultur-Tour der grünen Landtagsfraktion führte unsere stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze und mich in das Fünfseenland. Die verschiedenen Besuche vermittelten uns einen Eindruck vom langen Prozess der Erzeugung der Nahrungsmittel, über die Verarbeitung und Veredelung der erzeugten Produkte und dem Genuss durch den/die EndverbraucherIn.

Andechser Molkerei Scheitz: Biomilch für die Region

12068410_517639558395859_5394717043187202799_oErste Station unserer Besichtigungen war die Andechser Molkerei Scheitz. Wir wurden sehr herzlich von der Geschäftsführerin Barbara Scheitz empfangen, und erhielten einen umfassenden Überblick über ihr Unternehmen: Bereits 1908 wurde die Molkerei gegründet und entwickelte sich bis heute konsequent zur Bio-Molkerei. Der Betrieb beschäftigt ca. 200 MitarbeiterInnen und bildet auch aus. Die hochwertige Biomilch wird von ca. 600 Bauern geliefert, deren Betriebe den Kriterien der Öko-Anbauverbände Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis unterliegen. Ca. 23.000 ha Fläche werden von den Landwirten ökologisch bewirtschaftet – damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer Natur.

Die Philosophie des Unternehmens lautet „Natürliches natürlich belassen“ und nachhaltig Handeln sowohl im sozialen sowie im wirtschaftlichen als auch im umweltbezogenem Bereich. Durch Veredelung der qualitativ hochwertigen Kuh- bzw. Ziegenmilch gelingt es der Andechser Molkerei naturbezogene Produkte herzustellen, die Verbraucherin und Verbraucher uneingeschränkt genießen können.

Bei der Betriebsführung konnten wir uns über die lückenlose Abläufe und hochwertigen technischen Standards der Andechser Molkerei überzeugen. Ein Produktionsschritt greift in den nächsten, die Lebensmittel unterliegen permanenten Kontrollen und am Ende steht die fertig gepackte Palette mit Joghurt, Kefir oder einem anderen leckeren Milchprodukt. Es war sehr spannend zu sehen, wie die Produkte – die ich schon als kleines Kind im damaligen Hofladen mit meiner Familie gekauft habe – verarbeitet und veredelt werden! Für uns Grüne ist klar: Die Biobauern, die den wichtigen Rohstoff an die Andechser Molkerei Scheitz liefern, erhalten mit ihrer Art die Böden zu bewirtschaften unsere heimische Landwirtschaft. Interessant war zu erfahren, dass ständig neue Biobauern als Lieferanten gesucht werden. Der Bedarf an Biomilch ist riesig und der Milchpreis ist fair. Es ist also an der Zeit, dass die CSU-Regierung endlich die richtigen Signale an die Bauern aussendet: Die Verbraucher haben ein Bedürfnis nach Bioprodukten aus regionaler Erzeugung, da gehören die staatlichen Förderungen hin.

Biohof Grenzebach: Dem Tier geht’s gut
Gisela Sengl, Katharina Schulze und örtliche Grüne auf dem Biohof Grenzebach
(v.l.n.r.): Gisela Sengl, Christine Grenzebach (Biobäuerin), Norbert Grenzebach (Biobauer), Katharina Schulze, Kerstin Täubner-Benicke (Kreisvorsitzende KV Starnberg), Roswitha Schimmer (Ortsvorsitzende OV Wessling), Traudl Förster (Ortsvorsitzende OV Wessling)

 

Die zweite Station an diesem Tag war ein Besuch des Biohofs Grenzebach in Hochstadt bei Wessling. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb mit ca. 80 ha Fläche bewirtschaftet einen Hof nach ökologischen Richtlinien des Demeterverbandes. 40 Milchkühe, 800 Legehühner, Schweine, Pferde, und Ziegen haben hier ihr zu Hause. Die Kühe können sich in einem großzügigen Laufstall frei bewegen und sind vom Frühjahr bis in den Herbst auf der hofeigenen Weide. Die Hühner leben in einem mobilen Hühnerstall und im Freien, die Eier werden an Bioläden und ab Hof verkauft. Die Schweine, groß und klein, leben zusammen in einem sogenannten Familienstall. Bauer Grenzebach und seine Familie legen großen Wert auf das System der Kreislaufwirtschaft sowie eine naturnahe und eine nachhaltige Bewirtschaftung.

Bei der Hofführung konnten wir uns von der Vielfalt des Lebens auf dem Hof überzeugen. Herr Grenzebach und seine Frau haben uns sehr anschaulich das Prinzip ihrer Bewirtschaftung – z.B. erzeugt der Hof das nötige Futter für seine Tiere selbst – und vieles Wissenswertes mehr über die Tiere – vermittelt. So haben wir u.a. erfahren, dass eine Kuh bis zu 30 km innerhalb von 24 Stunden laufen kann. Da kann man gut nachvollziehen, wie unwohl sich eine Kuh in einem Stall fühlen muss, den sie nie verlassen darf. Auf den Wiesen des Bauernhofs wachsen zahlreiche Wiesenblumen und Kräuter, die nur durch die naturnahe Bewirtschaftung überleben und sich vermehren können.

Die Familie Grenzebach sucht stets nach Wegen das Angebot ihres Hofes zu erweitern und abzurunden sowie einer breiteren Bevölkerungsschicht die Werte der Bio-Landwirtschaft näher zu bringen. Ab Hof können Lebensmittel, die dort produziert werden, eingekauft werden, auch Führungen über den Hof sind möglich. Ein kürzlich fertiggestellter neuer Seminarraum mit Platz für bis zu 50 Personen ist ein neues Standbein. Wir sagen herzlichen Dank für das informative und herzliche Gespräch – die Familie hat sich wirklich ein Kleinod in Oberbayern erschaffen!

Gaststätte „Il Plonner“: Italienisches Biocatering

Nach dem Erzeuger Grenzebach ging es in die Gaststätte „Il Plonner“, ebenfalls in Weßling. Der Dorf-Gasthof bietet frische, hausgemachte italienische Bioküche in einer dörflichen Gaststätte. Die Familie Petrone möchte saisonale Bio-Küche mit bayerischer Geselligkeit in dem Dorfgasthaus verbinden. An das Gasthaus angegliedert ist ein Bio-Hotel.

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Die Geschäftsidee entstand aus der Überlegung, Kinder mit frisch zubereitetem, gesundem und leckerem Mittagessen zu versorgen. Aus einer privaten Initiative für den Kindergarten der eigenen Kinder entwickelte sich das Bio-Gastronomie-Unternehmen „Il Cielo“. Die Frischkoch-Küche für Kinder kocht vor Ort. Sieben Mensen von Kindergärten und Schulen werden in Kantinenküchen mit vollwertiger Biokost versorgt.

Insgesamt werden in den jeweiligen Einrichtungen bis zu 3.000 Essen täglich zubereitet. Ca. 140 Mitarbeiter sorgen dafür, dass frisches gesundes Essen auf den Tisch kommt. Der Leitgedanke „Frisch. Bio. Aus der Heimat“ findet sich auch in den saisonal unterschiedlichen Speiseplänen wieder. Mit diesem Konzept werden Kinder an gesundes Essen herangeführt – ein wichtiger Baustein in der Erziehung. Catering und Beratung für Interessenten an der Frischkoch-Küche runden das Angebot ab. Ein gutes Beispiel, wie man mit ökologischen Produkten schwarze Zahlen schreiben kann!

Diskussion im Inninger Spectacel mit MissMango

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Am Abend fand als Abschluss unserer Tour eine Diskussion im Inninger Spectacel statt. Vor zahlreichen Gästen trugen wir unsere Standpunkte für eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft, das Recht der VerbraucherInnen auf Information und die Möglichkeit und Chancen einer regionalen Produktion und Verwertung vor und diskutierten mit unseren Gästen. Neben Heimat und Genuss durfte die Kultur natürlich nicht fehlen: Die großartige Band „MissMango“ – wie ich aus dem Fünfseenland – begleitete den Abend musikalisch und brachte manchen Fuß zum Wippen!

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