Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung

Lebensmittelskandale müssen nicht sein!

In den letzten Wochen haben sich die Skandale um Lebensmittel wieder einmal gehäuft.

Bei den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen scheint das immer gleiche Muster zu gelten: Die Täter sind schwarze Schafe mit krimineller Energie und die Politik stellt neue 5 oder 10 oder 12 Punktepläne auf. Damit ändert sich an den Strukturen nichts und es ist nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten “Skandal”.

Woran liegt es, dass nach dem Skandal immer vor dem Skandal ist? Warum traut sich niemand wirklich etwas zu verändern? Über diese Fragen wollen wir mit interessierten Bürgern und Experten ins Gespräch kommen, um Wege aufzuzeigen, wie dieser Teufelkreis durchbrochen werden kann.

Es lädt ein der Ortsverband der Grünen in Waging und wir freuen uns auf Euer zahlreiches Kommen zu diesem spannenden Thema.

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Pferdefleischskandal ist nur Spitze des Eisbergs

Globaler Handel, mangelnde und intransparente Deklaration, skrupelloses Gewinnstreben durch Billigsteinkäufe von landwirtschaftlichen Roherzeugnissen sind offensichtlich ein idealer Nährboden für kriminelle Energien.

Das Firmengeflecht, das in den Pferdefleischskandal verwickelt ist, erstreckt sich über ganz Europa.Die französische Firma Spanghero kauft WISSENTLICH in Rumänien 42 Tonnen Pferdefleisch von zwei rumänischen Schlachthöfen, verarbeitet das Fleisch und verkauft es als Rindfleisch an die französiche Firma Comigel. Die Firma Spanghero macht damit in sechs Monaten einen Gewinn von 500.000 €.( Rindfleisch ist viermal so teuer wie Pferdefleisch)

Vermittelt hat diesen Deal der niederländische Fleischhändler Jan Fasen. Er ist Geschäftsführer der auf Zypern eingetragenen Firma Draap Trading. Und Jan Fasen ist kein Unbekannter: er wurde 2012 rechtmäßig veurteilt zu neun Monaten Haft, mußte aber bis heute die Strafe noch nicht antreten, weil sein Rechtsanwalt Berufung eingereicht hat. Grund der Verurteilung: Pferdefleischhandel! Und zwar wurde tonnenweise südamerikanisches Pferdefleisch verarbeitet und  in den Jahren von 2007 bis 2009 als reines Rindfleisch an zwei französische Firmen verkauft.

Die derzeitige EU-Regelung machst möglich: bei verarbeitetem Fleisch entfällt die Kennzeichnung des Ursprungslandes. Und nur bei unverarbeitenden Rindfleisch muß die Etikettierung Informationen über Geburt, Mast und Schlachtung enthalten – eine Folge des BSE Skandals – aber für alle anderen Fleischarten gilt diese Auskunftspflicht nicht!

Und dann wurde auch noch Gift im Pferdefleisch entdeckt: Phenylbutazon, das ist ein entzündungshemmendes Rheumamittel, welches aber auch als Dopingmittel im Pferdesport eingesetzt wird. Die Ernährungsexpertin Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen sagt:

„Billiges Fleisch ist grundsätzlich ein Problem…….Qualitativ hochwertige Fleischproduktion ist nicht zu Niedrigstpreisen möglich. Wer wissen will, woher sein Fleisch kommt, sollte generell unverarbeitets Frischfleisch kaufen und verarbeiten – am besten vom Metzger des Vertrauens oder direkt vom Erzeuger.“

Da hat sie recht! Aber wieviele Metzger gibt es denn noch in unseren Dörfern und Städten? Und wieviele Bauern gibt es denn noch, die Tiere artgerecht halten ohne Doping (Antibiotikamast) ? Gerade in Deutschland gibt es auf dem Lebensmittelmarkt fast nur noch Konzernstrukturen, die von der industriellen Landwirtschaft bedient werden. Dagegen hilft nur die Unterstützung der regionalen Lebensmittelerzeugung und die Streichung der Subventionen für die industrielle Landwirtschaft und deren angelagerten Verarbeitungs- und Vertriebsstrukturen.

Aber als erstes muß die Kennzeichnung verbessert werden: Die EU-Kommission prüft derzeit die Einführung einer verpflichtenden Herkunftsbezeichnung für verarbeitete Produkte. Das ist der richtige Weg – damit wüßte der Kunde zum Beispiel auch, wie regional ein Produkt wirklich ist.

Regionalsiegel ohne Konzept

In einer Pressemitteilung vom 29.Januar 2013 stellte der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ein neu geschaffenes Bayrisches Regionalsiegel vor.

Der grundsätzliche Gedanke ist richtig, aber leider bleiben viele Fragen unbeantwortet:

Wie “regional” werden die Tiere gefüttert, die regional vermarktet werden? Kommt das Tierfutter aus Südamerika oder wird es auch in der Region erzeugt?

Profitiert hauptsächlich der Handel von diesem Siegel oder auch der Urproduzent in Form von höheren Verkaufspreisen?

Wie werden die regionalen öffentlichen Einrichtungen also die großen regionalen Verbraucher wie Schulküchen, Kantinen in Ämtern (Landratsamt, Finanzamt usw.) eingebunden?

Werden Erzeugergenossenschaften gefördert, die gemeinsam entweder ein regionales Produkt erzeugen, lagern, vertreiben oder weiterverarbeiten?

Wie sehr wird auch auf kurze Wege wertgelegt? Das heißt, wird das Siegel auch zur Exportverstärkung von bayrischen Schmankerl benützt was meiner Meinung nach kontraproduktiv wäre, da ein regionales Siegel zwingend eine regionale Vermarktung mit beinhalten muss.

Es geht bei Regionalerzeugung und Regionalvermarktung nicht nur um schöne Etikette sondern vor allem um den Inhalt. Der fehlt bei der aktuellen Initiative des Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten leider weitgehend.