Rettet unsere alten Haustierrassen

In der Vielfalt liegt die Zukunft!

Seit Jahrtausenden züchtet der Mensch verschiedene Tierarten und passt sie dabei immer besser an die Zusammenarbeit und das Zusammenleben mit uns Menschen an. Unter den verschiedensten geografischen und klimatischen Bedingungen entwickelte sich eine reiche Vielfalt an Rassen heraus. Die Tiere sind optimal an ihre jeweiligen Regionen angepasst, wo sie die Anforderungen vom Menschen mit den Herausforderungen der umgebenden Kulturlandschaft zu verbinden wissen.
Eine zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und der Tierhaltung richten den Fokus der Zucht auf Leistungssteigerung bei wenigen Rassen bei gleichzeitigem Verdrängen vieler lokal angepasster Rassen. Mehr als ein Drittel aller Großtier-Rassen wie Pferd, Rind, Schwein, Schaf oder Ziege stehen vor ihrem Aussterben. 

Ihr Verschwinden bedeutet einen schmerzlichen und unwiederbringlichen Verlust jahrtausendealter Kultur. Besonders dramatisch ist die Lage beim Huhn, bei dem eine vollkommene Spezialisierung erfolgte: Industriell produziert Hybrid-Zuchtlinien sind entweder nur als Legehennen oder nur als Masthühner geeignet; eine eigenständige bäuerliche Nachzucht ist nahezu vollkommen aus der bäuerlichen Praxis verschwunden.

Das gigantische Sterben von Haustierrassen und Pflanzensorten ist tragisch, denn die genetische Vielfalt ist damit unwiederbringlich verloren. Dabei bedeutet sie einen immens großen Wert für die Züchtungsarbeit und es ist deshalb eine wichtige Aufgabe der öffentlichen Hand, dass diese Sorten erhalten blieben.

 

Vielfalt in der Tierzucht ist wertvoll!

•    Für eine gesicherte Ernährung der Zukunft durch das Erhalten genetischer Ressourcen.
•    Für eine ausgewogene Beziehung zwischen Mensch und Natur.
•    Für das Schätzen und Fortführen alter kultureller Traditionen und Werte.

Wir möchten vier Rassen und Tierarten vorstellen, die bei uns einheimisch sind und vor ihrer Verdrängung von großer regionaler Bedeutung für die bayerische Landwirtschaft waren. Das Bunte Bentheimer Schwein, das Rote Höhenvieh, das Augsburger Huhn und die Bronzepute. Heute sind sie hochgradig vom Aussterben bedroht – ihr Fortbestand ist von wenigen engagierten Züchterinnen und Züchtern abhängig.

 

Buntes Bentheimer Schwein  Buntes Bentheimer Schwein

Laut Roter Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen  extrem gefährdet, unstreitbarer kultureller Wert, Bestand ca. 360 Tiere (Stand 2013).
im Gegensatz zu den hochgezüchteten Schweinen ist es durch eine bessere Fleischqualität gekennzeichnet. Der Speckanteil ist verhältnismäßig hoch, das Fleisch selbst weist einen hohen intramuskulären Fettanteil auf, was sich positiv auf die sensorischen Qualitäten des Fleisches auswirkt (Geschmack, Aussehen, Brateigenschaften). Das Bunte Bentheimer Schwein hat über den ganzen Körper verteilt größere schwarze Flecken, ist frühreif und fruchtbar.

Rotes Höhenvieh

Foto: Dietmar Harms
Foto: Dietmar Harms

Laut Roter Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen gefährdet,
Bestand ca. 1.660 Tiere (Stand 2013).
Das Rote Höhenvieh war früher ein klassisches Dreinutzungsrind. Es lieferte Milch sowie Fleisch und leistete Spanndienste zum Pflügen, Ziehen von Wagen und sogar zum Holzrücken, weshalb sich Minderleistungen in der Milch- und Fleischleistung ergaben; sein Fleisch gilt allerdings als außerordentlich hochwertig.

 

Augsburger Huhn

Augsburger Huhn

Laut Roter Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen extrem gefährdet, Bestand ca. 230 Tiere (Stand 2013)
Die Hühnerrasse hat ihren Ursprung im Raum Augsburg und gilt als einzige bayerische Hühnerrasse. Wegen der guten Legeleistung und dem gleichzeitig hervorragenden Fleisch sind die Augsburger typische Zweinutzungshühner. Das hervorstechende Merkmal der Augsburger Hühner ist der Kronen- oder Becherkamm.

 

Bronzepute

Foto: Böhringer Friedrich CC-BY-SA-2.5
Foto: Böhringer Friedrich CC-BY-SA-2.5

Laut Roter Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen  gefährdet,
Bestand ca. 350 Tiere (Stand 2013)
Die Puten gelten als beste und zuverlässigste Brüterinnen und brüten auch die Eier anderer Geflügelarten aus. Die Nachfrage nach robusten Landschlag-Puten für die Freilandhaltung wächst ständig, wobei die Bronzepute die Erwartungen an Vitalität, geringer Krankheitsanfälligkeit, guter Beweglichkeit und hoher Fleischqualität erfüllt.

Quelle: g-e-h.de

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