Freihandelsabkommen

„Landwirtschaft und Umweltschutz gehören zusammen”

Zusammen mit meiner Landtagskollegin Kerstin Celina habe ich mich mit Vertretern des Bauernverbandes aus Würzburg und Main-Spessart getroffen, um uns über aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft auszutauschen.

Für die beiden Abgeordneten und die Vertreter des Bauernverbandes war es gleichermaßen wichtig, die Entfremdung zwischen Verbrauchern und Produzenten von Lebensmitteln zu verringern. „Landwirtschaft hat eine besondere Stellung“, so Sengl, und erläuterte, dass der Erhalt kleinerer Höfe vor Ort auch erleichtert werden könnte, wenn Vorschriften aus Brüssel in Bayern nicht noch zusätzlich verschärft würden, sondern statt dessen sollten regionale Verarbeitung und Vermarktung erleichtert und offensiv unterstützt werden. Das Zwischenfazit der Abgeordneten war: Landwirtschaft und Umweltschutz gehören zusammen und man müsse das große Ganze im Blick behalten. „Landwirtschaft und Umweltschutz gehören zusammen” weiterlesen

Wir haben es satt!

23.000 sind am Samstag in Berlin wieder auf die Straße gegangen, um gegen die Agrarindustrie zu protestieren – nicht so viele wie letztes Mal, aber trotzdem eine klare Aussage: Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern! Für eine bäuerliche und ökologischere Zukunftslandwirtschaft! Für Bauernhöfe, die umwelt- und klimafreundlich wirtschaften! Für starke Strukturen im ländlichen Raum! Für artgerechte Tierhaltung, gegen Gentechnik!

TTIP nein danke – regional ja bitte!

Milchpulver für Asien, Hühner für Afrika? Auf dem Traunsteiner Bauernmarkt sieht man, wie es anders geht: hier bieten lokale Bäuerinnen und Bauern ihre Produkte dort an, wo sie herkommen: in der Region. Immer mehr Menschen schätzen das – davon konnten der Europaabgeordnete Martin Häusling und ich uns beim Besuch des Bauernmarkts überzeugen. Denn die Zahl der Standbetreiber wächst, und mit ihr auch die Zahl der Kunden.

Dass mit den geplanten “Frei”-Handelsabkommen TTIP, CETA etc all dies bedroht ist, machte Martin Häusling bei seinem Vortrag am Abend im Sailer Keller klar. Es folgte eine angeregte Diskussion – und direkt danach oder am nächsten Morgen für viele die Fahrt nach Berlin, zur größten Anti-TTIP-Demo überhaupt: 250.000 Menschen demonstrierten dort! Der Protest zeigt, dass der Widerstand gegen TTIP nicht länger ignoriert werden darf. Freihandelsabkommen wie TTIP unterminieren unsere Demokratie und machen Staaten gegenüber Großkonzernen erpressbar!

TTIP: US-Landwirte profitieren

Interessant: So redet Agrarkommissar Phil Hogan also, wenn er TTIP vor Amerikanern verteidigt!

Arlington/Brüssel (http://fnl.de/presse/lesenswertes/lesenswertes-details/view/ttip-hogan-will-schnellstrasse-ueber-den-atlantik/page.html). Die Zeit ist reif für einen „Superhighway über den Atlantik“. Das hat EU-Agrarkommissar Phil Hogan gegenüber US-amerikanischen Landwirtschaftsexperten, Wissenschaftlern und Branchenvertretern festgestellt. Von Zollsenkungen auf europäischer Seite könnten US-Landwirte enorm profitieren, erklärte Hogan am vergangenen Donnerstag (19.2.) auf der jährlichen Ausblickskonferenz des US-Landwirtschaftsministeriums in Arlington, Virginia, mit Blick auf die laufenden Verhandlungen über eine transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Aber eine Einigung müsse mehr umfassen als nur Zölle, denn der größte Nutzen aus TTIP entstehe durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Regulierung. Ziel müsse es sein, die Vereinbarkeit der jeweiligen Ansätze und Standards zu sichern.
TTIP: US-Landwirte profitieren weiterlesen

TTIP: Schadenersatzklagen von Firmen gegen Gesetzgebung

Traunreut (Hans Baltin) – Auf Einladung der Traunreuter Grünen informierte MdL Gisela Sengl über das geplante Freihandelsabkommen TTIP.

Das Thema TTIP taucht seit einigen Monaten immer wieder in den Medien auf. Zuletzt hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt Befürchtungen geweckt, deutsche Spezialitäten, wie Schwarzwälder Schinken oder Nürnberger Rostbratwürste könnten nach dem Inkrafttreten von TTIP auch von den Amerikanern produziert und in Deutschland verkauft werden. TTIP: Schadenersatzklagen von Firmen gegen Gesetzgebung weiterlesen

Von der Grünen Woche zur “Wir haben es satt”-Demo

Ich blicke auf ereignisreiche Tage in Berlin zurück:

Mit dem Agrarausschuss des Bayerischen Landtags besuchte ich die Grüne Woche, wo unter anderem ein Gespräch mit Staatssekretär im BMEL, Peter Bleser, anstand. Ein Besuchermagnet war wie immer die Bayernhalle und der große Biergarten.

Besonders interessant wie immer die Veranstaltungen, die im Rahmen der Messe stattfinden: die Konferenz “Fleisch für die Welt? Sackgasse Agrarexporte” der Bundestags-Grünen, das Symposium des BDM, der von Rheinland-Pfalz organisierte Brunchtalk „Gentechnikfreiheit zwischen nationalen Anbauverboten und transatlantischem Freihandel“, und nicht zuletzt die Demo “Wir haben es satt”, die dieses Jahr 50.000 Menschen anzog! Ich freue mich sehr, dass auch ganz viele Grüne mit dabei waren.

 

CSU und TTIP: Unnötiger Kniefall vor den USA

Zum Artikel “Alles Käse” und Agrarminister Schmidts Ansicht über das Handelsabkommen TTIP: “Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen.”:

Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat in vorauseilendem Gehorsam bei den Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP leichtfertig die regionale Identität und die heimischen Standards von landwirtschaftlichen Erzeugnissen preisgegeben. CSU und TTIP: Unnötiger Kniefall vor den USA weiterlesen

Agro-Gentechnik und Hormoneinsatz Standard

Meine Eindrücke der US-amerikanischen Landwirtschaft

Mit dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Bayerischen Landtags war ich vom 15. bis zum 21. November 2014 auf Informationsreise in den USA – in Georgia, Partnerregion Bayerns, und dessen Nachbarstaat Florida. Neben Terminen bei landwirtschaftlichen Betrieben unterschiedlicher Ausrichtung standen Treffen mit Vertretern landwirtschaftlicher Verbände und lebensmittelverarbeitender Betriebe auf dem Programm ebenso wie ein Besuch der University of Georgia und der Hauptstadt Atlanta.

Landwirtschaft macht in Florida mehr Umsatz als der Tourismus

Am ersten Tag in Florida besuchten wir die über 10.000 Hektar große Rinderfarm von Henry und George Kempfer, der dort mehr 2000 Rinder hält. Auf der Kempfer-Ranch, die schon in der sechsten Generation betrieben wird, werden überwiegend Brahman-Rinder – eine Zebu-Art – und Angus sowie Kreuzungen aus beiden Rassen auf der Weide gehalten. Bei dieser Art der Muttertierhaltung haben die Rinder richtig viel Platz: pro Rind drei Hektar! Allerdings werden die Kälber leider schon mit acht Monaten zur Mast weiterverkauft.

DSC_6670

Auf einer Farm-Tour erfuhren wir, welch große Bedeutung Landwirtschaft und Rinderzucht für Florida haben. In dem Staat, der in Deutschland hauptsächlich für Tourismus und Südfrüchte bekannt ist, werden für den gesamten mittleren Westen Jungrinder gezüchtet – ein Milliardengeschäft, wie auch die gesamte Landwirtschaft, die in manchen Jahren mehr Umsatz macht als der Tourismus. Auch die größte Rinderfarm der USA mit über 100.000 Hektar Größe und 4400 Rindern befindet sich in unmittelbarer Umgebung der Kempfer-Ranch. Trotz der immensen Größe sind über 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in den Vereinigten Staaten Familienbetriebe. Henry Kempfer, zugleich Präsident des Rinderzüchterverbands Floridas „Florida Cattlemen’s Association“, und Verbandsgeschäftsführer Jim Handley informierten uns ausführlich  über die Herausforderungen der Rinderzüchter in Florida. Besonders aufschlussreich war, dass der Verband durch Umlagen seiner Mitglieder Forschung und Entwicklung selbst in die Hand nimmt und sich nicht auf staatliche Gelder verlassen möchte.

Besuch einer gentechnikfreien Farm

Nächstes Ziel war die Lake Meadows Naturals Farm, die sich gentechnikfreie Produktion auf die Fahnen geschrieben hat – in den USA nach wie vor eine große Ausnahme. Der Chef der Farm, Dale Volkert, kam eher zufällig über seinen Vater in den 1960er Jahren zur Landwirtschaft und dabei insbesondere zur Zucht von freilaufenden Hühnern. Teil des Konzepts von Volkert ist eine Art „Farm zum Anfassen“ mit der Möglichkeit für Kunden, die Eier selbst von den Hühnern zu holen oder in den streichelzooartig aufgebauten Ziegen– oder Gänseställe eine engere Beziehung zur Nahrungsmittelproduktion zu bekommen. Besonders profitabel ist das Konzept durch Direktvermarktung an bekannte Küchenchefs der näheren Umgebung und über den Hofladen.

Gespräch mit Floridas Landwirtschaftsminister

Der Landwirtschaftsminister von Florida, Adam Putnam (Republikaner), sieht die Landwirtschaft Floridas in einer hervorragenden Export-Position mit über 300 verschiedenen Grunderzeugnissen. Dazu brauche man das Freihandelsabkommen mit der EU (TTIP), obwohl für die USA mittlerweile das pazifische Freihandelsabkommen wieder stärker in den Fokus gerückt sei. Er betonte, dass bei TTIP auch Zugeständnisse bei Agrarprodukten unumgänglich seien. Meine Kollegen und ich fragten daraufhin nach Standards im Nahrungsmittelsektor, Agrogentechnik und Hormoneinsatz von Fleischprodukten. Im Gespräch zeigte sich, dass diese Themen in den USA weniger emotional gesehen werden, vielmehr sah Putnam in der Gentechnik die Chance, die Ernährungssituation einer wachsenden Weltbevölkerung zu verbessern – dass wir hier gegensätzlicher Meinung sind, ist nicht Neues. Zugleich betonte er, dass die Nahrungsmittelstandards auch dank des Food Safety Acts sehr hoch seien. In Sachen Regionalität der Produktion setze Florida auf Marketing seiner eigenen Produkte, so dass die Bewohner des Staates bewusst heimische Erzeugnisse kaufen, erklärte Putnam.

Im Anschluss besuchten wir noch den Saftproduzenten Florida Naturals.

DSC_6891

Zentrales Thema des Gesprächs mit Dr. Todd Thrift von der Florida University war der Hormoneinsatz in der Rinderzucht, die aus Sicht der betreffenden US-Landwirte eine klare Renditeentscheidung sei. Ein bis fünf Hormongaben im Leben eines Rindes könnten 25 bis 85 Pfund Fleischzuwachs bedeuten. Doch auch er musste einräumen, dass diese Praxis bei informierten amerikanischen Verbrauchern nicht auf Zustimmung stößt.

Beim Besuch des Pflanzenaufzucht-Unternehmens „AgriStarts“ informierte uns der Gründer und Präsident Randy Strode über laborgestützte Setzlingsaufzucht. AgriStarts wurde 1984 gegründet und liefert eine Vielzahl an Setzlingen weltweit aus, angefangen von Blumen über Gemüse bis hin zu seltenen tropischen Pflanzen.

Nein zu TTIP in Aying

Etwa 40 Grüne und andere Interessierte kamen am Donnerstag nach Aying, um mit mir und Dr. Ulrich Mössner von Attac über die Gefahren der Freihandelsabkommen zu diskutieren. Ich möchte mich nochmals ganz explizit bei Dr. Mössner für den interessanten Vortrag bedanken, der sich mit meinem ganz wunderbar ergänzt hat, wie ich finde. Ich freue mich, dass Attac und wir Grüne hier an einem Strang ziehen. So werden wir es bestimmt schaffen, dass TTIP, CETA und die anderen Freihandelsabkommen, die rein Konzerninteressen verfolgen, gestoppt werden.